Joy Orbison – Hyph Mngo/Wet Look


(Hotflush Recordings 009, VÖ: 14.09.2009)

September 12th, 2009 | 0 Kommentare ...  

Joy Orbison – Hyph Mngo/Wet Look

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Mit den musikalischen Beziehungen über den Ärmelkanal ist das seit den verzückten Nineties so eine Sache. Entweder die wegweisenden Platten zünden hier zu spät oder erscheinen erst gar nicht im Wahrnehmungsfeld einer auch nur annährend breiten Masse. Die Einen finden das ganz toll – Underground, keep it real und so, die Anderen finden das zumindest ein bischen schade, weil, wenn so ein massives Teil wie Wet Look
dann doch endlich mal rüberschwappt, das in London natürlich schon wieder durch ist und die wenig repräsentative, kommerziell-abgeschöpfte Schaumkrone eines beständig gewachsenen Movements darstellt. Beste Beispiele: The Streets und Dizzee Rascal. Deren epochale Debutalben schlugen mit gehöriger Verzögerung hier auf dem Festland wie Granaten ein, wohlgemerkt ohne den Nährboden, dem sie entsprungen sind, ihrem plötzlich hurra schreienden Publikum jemals wirklich begehbar machen zu können.

Joy Orbison bedient sich der englischen Clubmusik der Post-Jungle Zeit, die der erst 22-jährige Peter O‘Grady weniger aus dem Club, als von den Mixtapes seines großen Bruders kennen dürfte. Definitiv mehr 2Step als Dubstep, manche nennen das auch Halfstep. Beide Tracks steigen auf wie Raketen: Die A-Seite als Wake-up Call mit einem soulful Vocal Sample, einschneidend, prägnant und definitiv dazu berufen, Dancefloors verschiedener Art in Ekstase und Verwunderung zu versetzen. Die B-Seite, Wet Look, ruft die besten Zeiten von Underworld in Erinnerung, aber ohne deren Breitwand-Attitüde, sondern mit dem frischen Bedroom Producer-Flair, welcher die Quintessenz von Orbisons Musik darstellt.

Während man sich noch wundert, dass jene Sounds und deren Protagonisten, welche als „typisch Berlin” gelten, in London die größten Venues wie Fabric und das jüngst geschlossene The End bespielen, jedoch das gleiche Spiel nicht mit umgedrehten Vorzeichen möglich scheint, muss man aufpassen, über all der letztendlich sinnlosen Ursachenforschung nicht solche vortrefflichen Platten wie diese hier zu verpassen. Denn das ist schon viel zu oft geschehen. Pflichtkauf im September !

www.myspace.com/joyorbison




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