Gorillaz – Plastic Beach


(EMI, VÖ: März 2010)

März 23rd, 2010 | 0 Kommentare ...  

Gorillaz – Plastic Beach

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Jedes Konzept stößt irgendwann an seine Grenzen. So ist es nur konsequent dass sich die Konzeptband in Reinkultur, Gorillaz, nach Erscheinen ihres dritten Albums Plastic Beach beziehungsweise nach dem Abschluß der dazugehörigen Welttournee auflösen wird. Das ist auch gut so. Denn das Konzept der Comic-Band ist bis zum Zerreissen der Reißleine ausgereizt. Darüber kann man durchaus verwundert sein, ist es doch erst das dritte Album der Band in zwölf Jahren.

Das kindisch-alberne Comic-Image der ursprünglich mal als Blur Nebenprojekt gestarteten Gruppe hat mich nie interessiert und so erspare ich uns weitere Ausführungen der Story von 2D, welcher von Noodles an einen Strand aus Plastik entführt wird um dort von Murdoc und seinen Affen mit Kokosnüssen beschmissen zu werden. Legen wir lieber ein Augenmerk auf die Musik. Und die hatte es bisher auf allen Gorillaz Platten in sich. Was natürlich nicht zu letzt an dem unfassbaren Aufgebot der namenhaften Gäste lag. Nicht nur ich habe mich schon kopfschüttelnd gewundert wie es Damon Albarn in der Vergangenheit hinbekam so unterschiedliche Persönlichkeiten wie beispielsweise Dennis Hopper, Neneh Cherry, Shaun Ryder oder Ibrahim Ferrer zum gemeinsamen musizieren zu bewegen. Und das funktionierte ganz formidabel! Der Vorgänger Demon Days war ein Volltreffer und wurde von mir hoch und runter gespielt.

Auf Plastic Beach herrscht nun endgültig der totale All-Star Overkill. Snoop Dog. Lou Reed. Mark E.Smith. Bobby Womack. Mick Jones. Paul Simonon. Da wird einem ganz schwindelig. Am meisten erwähnenswert bei diesem Aufgebot ist, dass Mick Jones und Paul Simonon zum ersten Mal seit ihrer gemeinsamen Zeit bei The Clash wieder auf einer Platte vereint sind. Wer weiß, vielleicht droht uns dank Damon bald eine Clash-Reunion?! Die Musik auf Plastic Beach gerät angesichts der oben erwähnten Teilnehmer und des relativ unlustigen Comic Firlefanz zur Nebensache. Alles klingt über weite Strecken künstlich und gewollt. Aber wahrscheinlich ist das von Albarn und Konsorten wegen dem Plastik Konzept so gewünscht. Klar gibt es auch Highlights. Some Kind of Nature mit Lou Reed ist gelungen. Der Titeltrack mit den beiden The Clash Men ist eine Klasse für sich. Natürlich nicht zuletzt deshalb weil man die Beiden in diesem musikalischen Kontext so nicht vermutet hätte. Am stärksten sind die Gorillaz aber inzwischen wenn Albarn es alleine macht. Ohne Gäste, Ballast und Schnick-Schnack. Wie bei Rhinestone Eyes. Da erinnert uns Damon Albarn nämlich daran, wer er wirklich ist: Ein echter Hänger im knallroten Adidas Tracksuit mit tellergroßen Pupillen, den Beinen auf den Straßen von Camden und dem Herzen in Madchester. Bitte mehr davon. Aber erst auf dem nächsten Blur Album. Leisure revisited. Man wird ja wohl noch träumen dürfen.

www.gorillaz.com



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