Girls – Album


Oktober 1st, 2009 | 0 Kommentare ...  

Girls – Album

Von

Uhh, ja, etwas verschlafen hier, was verpasst? Wie redet nun alles plötzlich von Girls? Sind das doch zwei Boys, aus San Franzisko… und, mal recherchiert, jenem Sänger und Gitarristen Christopher Owens, der im Alter von 16 Jahren der extremen Gutmensch-Sekte Kinder Gottes von Slovenien nach Texas entkam, und später in einer Band namens Holy Shit mitspielte.

Mit seiner Band Girls und dem schlicht Album betitelten Debut schließt Owens nun Frieden mit sich und der Welt, und lässt seine von klein auf an benutzte Stimme auf lapidar lockere Akkordfolgen fallen, auf dass geneigte Herzen sich um ihn scharen, und das Debut zu einem der meist diskutierten Veröffentlichungen des Jahres macht.

Anscheinend schaffen es Owens und sein kongenialer Produzentenpartner Chet “JR” White hier die Bühne großer Gefühle in treffsicheren Miniaturen auszubreiten, das zutrauliche Selbstverständnis in Hellhole Ratrace, mit dem pop-perligen Lust for Life Indie-Hit  zu verbinden oder, für die unausgeschlafeneren unter uns, ein verfuzztes Big Bad Mean Mother Fucker Rock’n’Roll Standard á la The Cramps anzubieten, das nur weicher dahinschmilzt als Butter in der Sonne Kaliforniens, und auch sonst allerlei musikalische Lockerungsübungen, die, und das ist das herausragende, stets unaufdringlich passen, auf dass sich ein Peter Doherty im Grab rumdreht.

Auch Buddy Holly-Rock oder auf-den-tragischen-Punkt-genaue 50er Jahre Schulballaden mit unvermeidlichem Beach Boys Anstrich, all das, was in den USA schon seit längerem die Runde macht, findet sich hier noch einmal in einer lieblich abgestaubten Fassung wieder, mehr als annehmbar, aber erstmal auch nicht mehr als das.

Dann aber finden sich ein paar cool gedroppte Textzeilen, wie zum Beispiel : Yeah Im Just Crazy / Im Fu@#ed In The Head / And Maybe If I Really Tried / With All Of My Heart / Then I Could Make A Brand New Start / In Love With You (Lust for Life), deren Tragweite einem schon mal unter die Haut gehen können.

Aber, fühlen wir uns nicht alle mal so?  Hat nicht jeder mal ein paar miese Tage, Wochen oder manchmal für Jahre? Ist man nicht selbst auch mal satt von sich und seinen miesen Gefühlen und tiefen Gedanken? Wer das mit Ja beantworten kann und vielleicht ebenso eine kreativ-unschuldige Ader besitzt könnte es ja auch mal versuchen, dies rauszulassen, und nicht immer nur von Erfolg durch Krach, sondern vielleicht auch mal von etwas mehr Zwischenmenschlichkeit zu erzählen. Dies nämlich fordert mehr Mut.

www.myspace.com/girlssanfran

Download: Lust For Life (Girls)



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