Egotronic – Ausflug mit Freunden


VÖ: 30. April 2010, Audiolith

Mai 3rd, 2010 | 0 Kommentare ...  

Egotronic – Ausflug mit Freunden

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„Wer wird denn rum stehen, wir wollen euch tanzen sehen“, skandierten Egotronic auf ihrem 2007 erschienen Album „Lustprinzip“ und die Masse folgten ihnen. Die Mischung auf diesem Album zwischen Ravekultur und klarem politischen Statement gegen deutsche Leitkultur und generell allem deutschen, machte Egotronic zum Sprachorgan einer linksradikal-antideutsch angehauchten Partyszene.

Doch von den einstigen Drohgebären gegen Deutschland und Neo-Faschismus ist auf dem neuem Album Ausflug mit Freunden recht wenig zu hören, nur der eine oder andere Nebensatz und der Track „Toleranz“ erinnern an die Zeiten von „Raven gegen Deutschland“.

Viel eher ist die neue LP eine hedonistische Verarbeitung der letzten Jahre, die nach Mastermind Torsun „wild und exzessiv“ waren, wie er in der ersten Single Was soll´s beteuert. Da ist es keine Überraschung, dass man vor lauter Partys, Alkohol und anderen Substanzen die Auseinandersetzung mit dem politischen Geschehen in diesem schönen Land vergisst. Wobei diese gestrichene Komponente von Egotronic nicht viel mehr waren als populistische Phrasen, die sich gut eigneten auf Demos gerufen zu werden oder um die Wände zu verschönern.

Dass Egotronic ein Bewusstsein für politische Bildung bei ihren Hörern entwickeln konnte ist sowieso fraglich. Vielleicht schafften sie es aber dennoch den einen oder anderen Raver zu ermutigen über die Befindlichkeit des Landes zu reflektieren und eine kritische Sichtweise zu entwickeln. Dennoch ist und war der Fokus immer ausgerichtet auf den Genuss des Augenblicks und der Betäubung durch Musik aus der lauten Box.

Dieser Maxime treu, ist Ausflug mit Freunden ein Sammelsurium aus Liedern übers Feiern (Tonight), der Selbstreflexion des in die Jahre gekommen Ravers (Das Leben ist Tödlich) und der Devise „Scheiß drauf was morgen sein wird“ (Was soll´s). Ebenso wie die Momentaufnahme des deutschen Electro-Punks, ist das Album auch ein Manifest von Audiolith für Audiolith, dem Electro-Punk-Label der letzten Jahre, das sich wie kaum ein anderes Label, abgesehen von den üblichen Verdächtigen aus der „Ich Fick deine Mutter- Sparte“, selbst feiert und inszeniert mit zahlreichen Gastauftritten seiner Acts und aus seinem näheren Umfeld. So geben sich Frittenbude, Plemo und Captain Capa die Klinke in die Hand, so dass kaum ein Song ohne Featuring auskommen muss.

Musikalisch ist das Album ein Ausflug, auf dessen Reiseroute alle Bereiche der elektronischen Tanzmusik stehen, vom knüppelharten Electro bis hin zu House- und Minimalklängen. Textlich bleibt sich Torsun treu. Leichte Kost, die ins Ohr geht und zum Mitgrölen auffordert.. Beim amüsiersüchtigen Mob wird es auf Begeisterung stoßen, befriedigt Ausflug mit Freunden doch das Verlangen nach Exzess und dem Kater nach der Afterhour.

http://www.myspace.com/egotronics



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