Dum Dum Girls – I Will Be


VÖ 03.04.10; Sub Pop/Cargo

Mai 21st, 2010 | 0 Kommentare ...  

Dum Dum Girls – I Will Be

Von

Die Dum Dum Girls scheinen momentan in aller Munde zu sein. Schon Ende 2008, als das damalige Soloprojekt von Dee Dee Penny eine Kassette bei ihrem eigenen Label Zoo Music veröffentlichte, wurde die halbe Blogosphäre auf sie aufmerksam. Und das, obwohl die wenigen Tracks, die man im Internet finden konnte, fast bis zur Unhörbarkeit mit Verzerrgeräuschen aufgeladen waren. Kurz darauf folgten eine Single und eine EP bei Labels, die für die neue Welle aufregender Garage-Noise-Bands standen: HoZac (Horizontal Action) aus Chicago und Captured Tracks aus New York. Beide sind immer noch Garanten für den scheinbar nicht abreißenden Strang von gutem Lo-Fi und Noise-Pop von Bands wie den Smith Westerns, Beach Fossils, Brilliant Colors und Ganglians.

Als Dee Dee dann einen Plattendeal von Sub Pop angeboten bekam und außerdem beim großartigen und großen CMJ Festival in New York City spielen sollte, war es an der Zeit, eine Band zusammen zu trommeln. So wurden die Dum Dum Girls tatsächlich zu Girls, namentlich Jules, Bambi, Sandra Vu und Dee Dee – alle vereint durch den Dresscode schwarz, schwarz, Leder und schwarz. Da muss man schon irgendwann an die Ramones denken, doch die Songs von I Will Be folgen einem ausgetüftelterem Schema als Rocket to Russia.

Die Dum Dum Girls haben mit ihrem Debüt ein minimales Meisterwerk geschaffen – Meisterwerk deswegen, weil das übliche Prinzip Musikdekade A mit Musikdekade B mischen in einem Album aufgegangen ist, welches Eingängigkeit so gelungen mit Weirdness vereint, dass es zugleich bei Pitchfork und der Financial Times Deutschland hoch gehandelt wird. Spagat zwischen den Welten – ungewollt erfolgreich!

Bei I Will Be trifft Motown-Girl Sound auf den Independent Pop Mitte der 80er Jahre geprägt von Bands wie Shop Assistants, Dolly Mixture und Talulah Gosh. Der Opener It Only Takes One Night zieht von Anfang an in den Bann der Dum Dum Girls. Betörende Stimme ergibt mit trockenem Schlagzeug zu im Hintergrund schrammelnden Gitarren einen Sog, der bis zum letzten Lied nicht abreißt.

Im Vordergrund steht immer Dee Dees Stimme – sie beherrscht einen wundersamen 60s-Singsang, die Liedern wie dem Sonny & Cher Cover Baby Don’t Go und I Will Be das richtige Quantum Spookyness hinzugibt. Genauso perfekt passt sie zu dem fast schon grenzwertigen Stück Oh Mein M, das in einem schrägen Deutsch mit Vocoder eingespielt wurde. Trotz aller Abweichungen von der Geradlinigkeit ist klar, dass dieses Quartett auch Songs hervorbringt, die Tanzen provozieren. Jail la la, die erste Single und ehemals EP-Titelstück, sowie Yours Alone bleiben dank treibenden Drums und schnellen Gitarren als Hits im Ohr. Und Hit ist hier nicht gleichzusetzen mit aufpolierter Produktion. Kein Track von I Will Be kommt ohne Distortion und einem leichten Abdriften der Melodie aus.

In Eintönigkeit oder gar Langeweile gleitet I Will Be nie ab und so will man am Ende überhaupt nicht mehr wissen, welches Stück nun wo in der Musikgeschichte seine Anleihen her hat. Die Dum Dum Girls haben ihr Debütalbum mit einem roten Faden von zielgewandten Melodien und lasziv-lethargischer Atmosphäre durchzogen und somit eine Platte gemacht, die definitiv in einigen Jahresendlisten ganz oben stehen wird.

LINKS:

http://www.myspace.com/dumdumgirls

http://www.hozacrecords.com

http://www.subpop.com



Kommentare sind geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: