Dirty Three – Toward the Low Sun


(Bella Union / Cooperative Music) VÖ: 24.02.2012

Februar 23rd, 2012 | 0 Kommentare ...  

Dirty Three – Toward the Low Sun

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Wenn nach zwei Stücken Furnace Skies und Sometimes I forget that you’re Gone – die man erst als sperrige Warmspielereien wahrnimmt, diese sich jedoch als wahnsinnige Freejazz-Labyrinthe darstellen, welches bei Sometimes nur aufgrund des dahin plätschernden Piano vertrauter klingt, wenn es nach diesen beiden verstörenden Anlässen zu Moon on the Land  in eine solch traurig ruhige Weite hinausgeht, merkt man sofort, dass man es hier nicht mit irgendeiner Pop-Prog-Rock-von-der-Stange-Genre-Band zu tun hat, sondern mit den Dirty Three, die mit Toward the Low Sun ihr vielleicht bislang radikalstes Album abgeliefert haben. Wahnsinnig, unprätentiös und grenzenlos offen in Weite, Tiefe, Schönheit, Einfachheit und Eleganz.

Wie Moon on the Land kommen auch manch andere Stücke der Platte wie eine Vergrößerung von Bob Dylan’s Pat Garrett jagt Billy the Kid, der vielleicht einzige Vergleich der hier herhalten kann, und der dennoch so unmöglich erscheint, so wie Jimi Hendrix bei That Was Was. Dabei gibt es hier gar keine Leadgitarre, jedenfalls keine, die mit Lead angibt-Gitarre und vielleicht nicht mal einen regulären Bass, nur Jim White’s Schlagzeug, Mick Turner’s Landschafts-Gitarre und natürlich Warren Ellis’ Leadgeige, jener Warren Ellis, der in Nick Cave’s The Bad Seeds und Grinderman Catweazel-gleich die Geige wie eine Miniaturgitarre aus dem Kuriosenkabinett spielt. Ellis’ Geige hört nicht auf jene endlose Westernlandschaften mit auf der anderen Seite des Planeten stehenden Sonnen zu beschreiben, die es down-under in Australien so wohl zu bestaunen gibt, um Raum für die sonderlichsten Gedanken zu schaffen, was einem bei dem ganzen medialen Overkill mal gut tun kann, dies aber erst bemerkt, wenn man diese Musik hört und erfahren hat. Ja, Musik, die zudem gänzlich ohne Worte auskommt, auch gar nicht braucht, wozu auch? Worte würden hier nur eingrenzen, bestimmen, relativieren und limitieren.

Ich bitte sie daher sich diese Platte zu besorgen, etwas, was ich so direkt höchst selten, eigentlich nie anmaße zu sagen, einfach nur um sich ein Stück dessen nach Hause zu holen, was Popkultur mit ihren Ur-Wurzeln im gefühlten Blues bedeuten kann, könnte, hier wieder einmal kann. Stellen sie sich das Werk neben anderen Meisterwerken von Dylan, Cash, Cohen, Beatles, Stooges, Stones, Hendrix oder Bad Seeds, ganz wie Sie wollen, aber lassen sie die Finger von Stück sieben bis acht mit den Titeln That Was Was und Ashen Snow, es könnte sein, dass Sie nach dieser Stimmung süchtig werden und all Ihre anderen Indie-, Rock- und 80/90er/00er-Diskogedönsplatten Ihrem Schlager-Nachbarn vor die Tür stellen mit dem Vermerk “Brauche ich nicht mehr”!

Dirty Three – Rising Below, aus dem Album Toward the Low Sun:

http://anchorandhope.com



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