Der Todtraurige Henning – Midlife Christ (Dunefish/Edel Kultur)


Juni 7th, 2008 | 0 Kommentare ...  

Der Todtraurige Henning – Midlife Christ (Dunefish/Edel Kultur)

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Eigentlich will ich hier nicht ran, aber komme jetzt auch nicht mehr dran vorbei an diesem Todtraurigen Henning. Ist das nun gut oder gar originell, wenn sich Hennings Stimme über quengelige Zeilen näselt wie “Wind, den du mit Flüstern hast gesäht”, über die stoppelig geschrammelte Schrummelgitarre a la 90er Deutschpop? Dann, nach und nach aber, hebt die Band um jenen Todtraurigen ab zu einem ziemlich bemerkenswertem Crunchrock Marke Eigenbau, dessen ebenfalls ziemlich cool-passable deutsche Texte wie “Das Leben ist so hart die Woche über/deshalb komm ich jeden Freitag rüber – Der Einlasser” alles andere als aufgetragen oder verpeilt wirken. Erst Momente scheint noch ein Überbleibsel aus selbstironischen Tagen zu sein, hinter dessen Kitsch man sich immer gern versteckt, hilft aber nichts. Momente gehören hier nicht hin. Das beweist der erste englische Titel I Want you Now, dessen Gripp so stark haftet, als wäre Kurt Cobain bei den “All Day and All of the Night” The Kinks eingestiegen. Auch das ist Der Todtraurige Henning, irgendwo gut, aber dann fast zu vielseitig. So schrammelt es danach japanisch-deutsch weiter, selbst eine traurige Mitsingballade auf russisch wird nicht vorenthalten. Mutter Erde (tut mir ehrlich leid, sorry), will fast wie die Single des Albums sein, passend zu dem immer humusnahen, aber doch weltfremden Habitus Berliner Kiezgänger. Yepp, dabei soll das folgende Recht der ersten Nacht irgendwie doof sein, stimmt nicht. Ist nur Drecksrock, das wohl auf rechthaberische Sexgelüste nächtlicher Herumtreiber zielt, wer weiß? Zum Schluss noch ein Ton Steine Scherben Cover (Macht Kaputt was Euch kaputt macht) mit leicht modifiertem Text auf Metallica/Rammstein gebürstet, und dann wieder click-clack schrammel Hippiereminiszenz mit Hot Chocolate Hook, noch etwas Speedmetal und noch etwas labbriger Richard Ashcroft. Zuviel? Zu gut? In jedem Fall so ausgefallen wie manch einem ehrlichen Musiker, der all seine lieb gewonnenen Einflüsse aus drei Jahrzehnten zu verarbeiten weiß.

www.iron-henning.de



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