Delphic – Acolyte


(Polydor, VÖ:12.01.2010)

Januar 7th, 2010 | 0 Kommentare ...  

Delphic – Acolyte

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Die neue Dekade legt ganz gut los. Zumindest musikalisch. Delphic aus Manchester machten letztes Jahr als Support für die überflüssige und total überbewertete Bloc Party auf sich aufmerksam. Wer diese Kombination zu verantworten hatte sollte sich mindestens in die Ecke stellen und schämen, verhalten sich beide Bands doch zueinander wie Big Country zu den Rolling Stones. Aber auch diese unheilvolle Allianz gab es schon einmal, damals auf dem Nürburgring (oder war es Hockenheim?!). Ich war live dabei und kann es bezeugen.

Im April veröffentlichten Delphic die erste, von Ewan Pearson produzierte Single Counterpoint. Die zweite, This Momentary erschien auf Kitsune und passte dort nicht so recht ins Raster. Trotzdem oder gerade deshalb war der Track ein mittelschwerer Clubhit. Im Dezember vergangenen Jahres setzte das häufig ziemlich geschmackssichere Music-Department der BBC die Band auf seine „Sound of 2010″ Liste und der Hype war zumindest auf der Insel perfekt.
Ohne Übertreibung ist das Quartett für die erste tanzflächentaugliche Großtat des Jahres verantwortlich. Acolyte ist in seiner Gesamtheit wie geschaffen für die Momente, in denen man mit Tränen in den Augen tanzt. Also auch für den Hausgebrauch wärmstens zu empfehlen. Die Zutaten sind wieder mal recht simpel und klopfen das Eighties-Revival abermals ab. Doch wer jetzt schon wieder abwinkt, macht was falsch. Denn Delphic haben echte Songs auf Lager. Tolle Melodien. Gitarren vermengt mit Beats. Melancholie und Positivity gut zu vermixen ist eine urbritische Königsdisziplin. Wo Zoot Woman am Spagat zwischen cooler Eleganz und Rock’n’Roll scheiterten, vermischt sich bei Delphic beides zu einem grandiosen Guss.

Submission (nein, kein Sex Pistols Cover!) ist ein perfekter Popsong, eine bizarre Liebes-Triangel für das neue Jahrzehnt. Counterpoint ist mit seinen gebrochenen Beats in etwa das, womit uns das Milchgesicht Joy Orbison letztes Jahr zum Glück mal wieder konfrontierte, verquickt mit der Eminenz New Order. Eine Ravegranate, die spätestens mit den ersten Sonnenstrahlen richtig zünden wird.

Die Einflüsse von Factory Records, der Hacienda und Acid House sind omnipräsent. Acolyte ist ein gelungener Versuch, den Spirit der ersten Raves der späten Achtziger ins hier und jetzt zu transformieren. Die Klaxons redeten nur davon, Dance Music zu machen. Was unterm Strich dabei rauskam, waren ein paar zugegebenermaßen gute Indie-Songs, aufgepeppt mit ein paar Samples. Bei Delphic steht der Aspekt der Dancefloortauglichkeit ganz klar im Vordergrund. Mit dem Techno, wie wir ihn heutzutage kennen, hat das zum Glück auch nicht viel zu tun. Eher mit Gefühl und Songs. Music for massive Warehouse Parties. Ich bin beeindruckt. Wer etwas für die oben aufgezählten Retro-Zutaten übrig hat und gleichzeitig den Sound der Zukunft hören möchte kommt an Delphic nicht vorbei. Ganz tolle Platte.

www.myspace.com/delphic



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