Cold Cave – Love Comes Close


(Matador, VÖ:13.11.2009)

November 14th, 2009 | 0 Kommentare ...  

Cold Cave – Love Comes Close

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Vor dem Revival ist nach dem Revival. Der Sound, den die heiligen Drei – The Human League, Depeche Mode und New Order – vor bald drei Dekaden zur Perfektion führten, erfährt neuerdings eine Frischzellenkur nach der anderen. Das ganze noch mit etwas Ian Curtis Timbre garniert und es kann nicht mehr viel schiefgehen.
Leider funktioniert solch ein vermeintliches Patentrezept nicht immer für die Dauer eines Albums. Eine leidvolle Erfahrung, die auch schon Gitarren-Düster-Epigonen wie Editors und Interpol machen mussten. Genau das ist auch das Problem von Cold Cave. Deren Kopf, Wes Eisold, ist ein umtriebiges Kind des amerikanischen Hardcore-Punk Undergrounds.

Neben Veröffentlichungen auf Epitaph frontete er auch so sagenhaft betitelte, hierzulande gänzlich unbekannte Formationen wie American Nightmare, Give up the Ghost oder XO Skeletons.

Mit seinem aktuellen Projekt Cold Cave begibt er sich auf völlig neues Terrain und erforscht die düstere Seite der Eighties. Love comes close wird bestimmt durch retro-aktive Synthesizer-Flächen, den obligatorischen Drumcomputer und allerlei manisch ausgeprägte Dissonanzen. Dadurch wird über weite Strecken zwar ein gehöriges Maß an Experimentierfreudigkeit und Hingabe zum puren Noise herausgestellt, die Songs aber bleiben größtenteils auf der Strecke und ohne klare Linie. Der Geist des Pop wohnt trotz dem windschiefen Geblubber in allen zwölf Stücken. Bis auf drei rühmliche Außnahmen ufert das aber leider allzu schnell ins nervtötende aus.

Der Opener Cebe and Me ist grandios, operiert an der Schnittstelle von purem Industrial und Cold Wave, bleibt dabei aber verblüffend eingängig.

Heaven was full klingt wie eine New Order Platte mit Ian Curtis am Mikrophon.

Bei Hello Rats könnte man fast meinen, es handele sich um eine verschollene Joy Division B-Seite. Ganz klar das Highlight des Albums und mit nur eineinhalb Minuten deutlich zu kurz bemessen.

Da wäre mehr drin gewesen. Das denkt man sich auch nach mehrmaligem Hören der gesamten Platte. Bei vielen Stücken wissen Cold Cave eben noch nicht so recht, ob sie jetzt lieber New Order oder die Pet Shop Boys sein wollen. Der Titeltrack ist dafür das beste Beispiel. Eigentlich eine Melodie wie ein Meeresrauschen. So richtig will da aber nichts substantielles hängen bleiben. Man kann Love Comes Close mit einem Ort vergleichen, den man schon viel zu oft besucht hat.

Eine EP mit den drei herausragenden Tunes als Startsignal hätte es fürs Erste auch getan.

www.myspace.com/coldcave



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