Clark – Totems Flare


( Warp 185, VÖ: 13.07.2009)

Juli 18th, 2009 | 0 Kommentare ...  

Clark – Totems Flare

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Das eigentlich aus Sheffield stammende, mittlerweile in London ansässige Warp Label besitzt seit Beginn der Neunziger den Willen zum stetigen Wandel. Man hat das Ohr auf der Schiene der Zeit, nachzuhören auf dem außerordentlich gelungenen Debut-Album von Tim Exile, erschienen im April diesen Jahres. Jener demonstrierte auf Listening Tree eindrucksvoll, dass verquere Dissonanzen und geradlinige, fast klassische Songstrukturen durchaus Hand in Hand gehen können. Klingt komisch, ist aber so.

Beim Hören der Exile Platte dachte ich, Warp ist auf einem Weg, der mir gefällt. Bloß raus aus dem Zwangsmäntelchen der Innovation, stocksteif getragen, zugeknöpft bis oben hin. Platten von neuen, nonkonformen Indiebands mit Synthesizern hatte ich mir gewünscht. Ungefähr eine unverbrauchte, hungrige Ausgabe von Radiohead während der Kid A/Amnesiac Phase. Zwei Platten, die sich übrigens wunderbar in der Warp Diskographie gemacht hätten. Für seinen Wagemut bewundert habe ich das Label schon immer, unterm Strich aber hatten mir die meisten Releases der letzten Jahre zwischen Autechre, Squarepusher und Boards of Canada oftmals zu viel Kopf und viel zu wenig Sex. Seien wir mal ehrlich, seit langer Zeit denkt man beim Namen Warp eher an die gerade eben genannten, als an Tricky Disco, Sabres of Paradise oder LFO.

Dreizehn Katalognummern nach dem Release des Exile Debuts (Anhören!) legt mit Clark der nächste, viel schwerer verdauliche Brocken nach.
Auf Totems Flare finden sich all die Probleme, die ich mit einem Großteil des Labelkatalogs so habe. Großartige Ideen werden zerstückelt, auf gefühlte 241 BPM hochgepitcht, zubetoniert, eingetütet und ausgespuckt. Zentnerschwer, mit Blei im Magen begräbt dich Totems Flare unter sich. Zwischen all dem Zirpen und Piepen für Möchtegern-Fortgeschrittene gibt es hin und wieder einen federleichten Beat. Man fängt an im Sessel mitzuwippen. Na Bitte, es geht doch. Doch kaum hat man sich versehen, kommt der nächste Break, man muß den ohnehin schon geschundenen, leidgeprüften Verstärker zwischendurch immer wieder runterfahren. Wenn jetzt einer Breakcore sagt, muß ich brechen.

Klar, wir haben es hier mit einem besonders hartnäckigen Vertreter der Intelligent Dance Music zu tun. Bitte verstehen sie mich nicht falsch: Ich möchte beim Platten hören nicht gefördert, doch auf jeden Fall gefordert werden. Totems Flare ist ein weites Feld, auf dem ich mich nicht zu Hause fühle, keinen Platz zum unterstehen finde. Es plätschert dahin, klimpert in einem fort. Ich bin mir sicher, der Pitchregler läuft völlig außer Rand und Band. Aber alles in bester Ordnung. Clark hat in seiner Welt bestimmt jedes Klangkästchen fein säuberlich an seinen Platz geschoben.

Ganz sicher möchte er auch so dermaßen übers Ziel hinaus schießen und uns alle kirre machen. Natürlich gibt es auch Menschen, die sich diese Platte mit Hochgenuss am Stück anhören werden. Die Besten, weil mit einer von mir nun mal geschätzten Form von Eingängigkeit gesegneten Stücke, sind das wirklich tolle Growls Garden und Talis. Hätten auch auf die Exile Platte gepasst. Kaum sind die spärlich eingesetzten Vocals da, der Beat schleppt sich endlich mal dahin, dann sind die guten Momente da. Dieses Glück erlebe ich hier ganze zwei Mal. Der Rest rennt im Eiltempo an mir vorbei, so schnell, dass ich außer den genannten Bruchstücken nichts zu fassen bekomme. Fünfundvierzig Minuten voller Hektik und Panik. Musik, für die man eine Gebrauchsanweisung benötigt.

www.myspace.com/throttleclark



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