Caribou – Swim


(City Slang, VÖ: 19.04.2010)

April 16th, 2010 | 1 Kommentar ...  

Caribou – Swim

Von

Das dritte Studioalbum des Kanadiers Daniel V. Snaith als Caribou ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Nach einigen Veröffentlichungen zu Beginn des vergangenen Jahrzehnts unter dem Pseudonym Manitoba auf dem britischen The Leaf Label – darunter eine 12“ Inch mit dem geschmackvollen Titel If Assholes could fly this Place would be an Airport – geriet die Welt des ehemaligen Mathematikstudenten enorm ins Wanken. Der gleichnamige Sänger der unwichtigen Punkband The Dictators boxte vor Gericht durch, dass Snaith den Namen Manitoba nicht weiter verwenden darf. Ohne lange zu Zögern nennt der sich fortan Caribou und veröffentlicht zwei Studioalben an der Schnittstelle von hippieskem Singer/Songwriter Stoff und psychedelischen Klangtapeten in allen Farben dieses Erdballes. Das ist nicht unbedingt meine Baustelle. Vielleicht mit ein Grund, warum es mir nach dem x-ten Hören von Swim immer noch die Schuhe auszieht. Natürlich spielt das psychedelische Element immer noch eine tragende Rolle. Aber im Vergleich zu den Vorgängern klingen die Stücke atmosphärisch dichter, weniger zaghaft, insgesamt in sich geschlossen und vor allem wesentlich entschlossener.

Der Opener Odessa ist ein vertontes Manifest gegen Trauer und für die Selbstbestimmung. Wenn Snaith mit einer an Alexis Taylor erinnernden Stimme solche Zeilen wie „Saving up to, the day when she goes. The day that she stands up for everything that she chose.“ zum Besten gibt kann einem nur das Herz aufgehen. Das ganze in einen so unerbittlichen Groove und Drive verpackt das die Beine niemals wieder still stehen wollen und man das Gefühl nicht los wird hier echte Dancemusic mit Soul zu hören. Dabei ist die Form der Umsetzung nicht wirklich revolutionär.

In mühevoller Heimarbeit zusammengestellte Songstrukturen gepaart mit floydesken Klangmustern sind ja nun nix wirklich neues. Es sind die feinen Details von schlicht betitelten Songs wie Sun oder dem darauf folgenden Kaili die von einer längst vergangen geglaubten Extase verkünden. Ab Found out wird es dann für zwei Stücke wieder etwas düsterer und waviger. Es gibt eben auch zwischenmenschliche Ebenen, die sind weder schwarz noch weiß, die sind einfach nur schwer einzuordnen. Deren Vertonung klingt dann wie Found out und Bowls. Danach kehrt ab dem coolen Leave House die Lässigkeit  zurück.

Swim ist die Platte, welche die großartigen Kula Shaker Ende der Neunziger nach ihrem tollen Debüt hätten aufnehmen können, anstatt auf tonnenschweres Led Zeppelin Stückwerk zu setzen. Es darf getrost bezweifelt werden, dass Caribou zukünftig in die Crispian Mills Falle tappt. Ist aber auch erst mal egal.

Swim ist die Platte des Frühlings, des Sommers und an ihr kommt niemand vorbei.

www.caribou.fm



Kommentare / Comments:

  1.  
    1. martin  

    jau,sehr tolle platte!absolute zustimmung!