Bonaparte – My Horse Likes You


(VÖ: 4 Juni 2010 Staatsakt/Rough Trade)

Mai 30th, 2010 | 0 Kommentare ...  

Bonaparte – My Horse Likes You

Von

„MEINE DAMEN, MEINE HERREN, KOMMEN SIE NÄHER, DER ATTENTION-DEFICIT-DISORDER-CIRCUS IST ERNEUT IN DER STADT. MONSIEUR BONAPARTEWIRD SIE IN SEINE PHANTASTISCHE WELT ENTFÜHREN!“

Zwei Jahre ist es nun schon her, seitdem Bonaparte die Frage gestellt haben Do You Want to Party? und die Massen mit ihrem dreckigen Electro-Indierock zum Tanzen brachten. Seit der Veröffentlichung ihres Debüts Too Much 2008 tourten sie ununterbrochen und verbreiteten in mit ihren energiegeladenen und exzessiven Auftritten in der allabendlichen Manege ihren eignen Mythos. In den kurzen Pausen, in denen Circusleiter Bonaparte nicht auf der Bühne stand wurde die Remix-Lp Remuched produziert und für all die, die noch nicht das Glück hatten einen Auftritt mitzuerleben, das Live-Album Blood, Sweat und Würstchen aufgenommen. Nicht nur ausverkaufte Hallen, eine riesige Fanbase als das Resultat des besinnungslosen Tourens, sondern auch der LEA-Award als bester Clubact zeugt von der Qualität Bonapartes. Doch anstatt eine Ruhepause einzulegen, wurden flugs neue Circusnummern einstudiert und als LP My Horse Likes You (2lp+Mp3) [Vinyl LP] veröffentlicht.

Violine und Cembalo erklingen und schwellen zu einer pathetischen schwermütigen Welle an, in der Motive und Melodien von Georg Friedrich Händel aufgegriffen werden und auf einmal befindet man sich in Ouverture, dem ersten Track von My Horse Likes You.

Der Bezug zum Barock passt rechtgut zu diesem Album, findet man doch den Antagonismus dieser Epoche zwischen Lust und Schwermut, Selbstinszenierung und Schlichtheit in der Musik aber auch den Kostümen Bonapartes wieder.

Zwar kommt das zweite Album mit weitweniger eingängigen Hits als noch beim Vorgänger daher, doch führen uns Bonaparte weiter in ihr mysteriöses Universum. Rave, Rave, Rave das Zwischenspiel des Albums entführt den Hörer in einen Salon zur Zeit der Cowboys und Glückssucher im Wilden Westen, nach einen kurzen Zwischenstopp reitet man bei Intermission in Mexiko weiter nach Südamerika. Von dort aus verfrachtet Technologiya einen in das ferne Russland. Sind nach einer durchzechten Nacht die Wodkaflaschen geleert sitzt man plötzlich zusammen mit Bonaparte und Modeselektor im dichten Unterholz des südostasiatischen Regenwalds von Borneo und lauscht Orangutan, bevor am Ende der Reise Adamal noch einmal den Zauber von tausend und einer Nacht entfaltet.

Trotz der Ausflüge in andere Sphären dominiert immer noch das „Rock&Roll meets Electropopprinzip“. Boycott Everything, der Fortsetzung von Anti Anti, wie es scheint und Wir Sind Keine Menschen laden zum genüsslichen Pogen und Stagedivien ein, sodass die live Tauglichkeit des Albums außer Frage bleibt.

Das Bonaparte auch auf ihre Art zeitlosen wunderschönen Pop schaffen, beweist Fly A Plane Into Me, dem gelungensten und gefühlsstärksten Track, dicht gefolgt von der neuen Single Computer In Love, die dann doch etwas zu sauber und überproduziert klingt.

Nach The End, dem Schlussstück von My Horse Likes You, bleibt die Vorfreude auf die kommenden Liveshows, bei denen man wieder in die Welt des Circus und Schaustellerei entfliehen kann und selbst Teil wird dieses Partyirrsinns.

http://www.myspace.com/bonaparte



Kommentare sind geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: