Bernhard Eder – Tales from the Eastside


VÖ 24.10.2008 / Solaris Empire

November 10th, 2008 | 0 Kommentare ...  

Bernhard Eder – Tales from the Eastside

Von Philipp Brugner

Es ist also wieder ein gefühlvolles Album geworden, was uns Bernhard Eder da als sein zweites Werk nach „The Livingroom Sessions” vorstellt. Mit jenem nämlich hatte er sich im Vorjahr erstmals einen Namen in der deutschsprachigen Musiklandschaft gemacht.

Der 33-jährige Oberösterreicher, der sich nach einigen Jahren in Wien dazu entschloss, sich in Berlin neu zu (er-)finden, hatte mit seinem Debütalbum als Soloartist eine neue, ihm bislang unbekannte Aufgabe zu bewältigen. Die Veröffentlichungen, die er zuvor mit seinen Bands „wa:rum” und „Be one” machte, trugen allesamt die Handschrift mehrerer Personen. Hierbei muss man – erstens – etwaige Kritik nicht alleine einstecken und kann – zweitens – den Musikstil, den die Band für sich gefunden hat, hernehmen, um bei der Produktion eines neuen Albums nicht ganz so mit leeren Händen dazustehen.

2006 war es damit aber vorbei. Für Bernhard Eder galt es seinen Weg als allein stehender Künstler auf zwei Beinen einzuschlagen – die ersten Schritte führten ihn nach Berlin.

„Das Flair der Stadt” hätte ihn wesentlich in seinem Schöpfen beeinflusst, die neuen Erfahrungen ihn inspiriert. Mit „The Livingroom Sessions” entstand dann eben der erste musikalische Ausdruck der neu entdeckten Liebe des Oberösterreichers mit der kreativsten Stadt Deutschlands.

Hört man sich durch die Platte, würde man eher meinen, Bernhard Eder hätte die Ruhe und Schwermut der kristallklaren Nächte in der oberösterreichischen Provinz wiederentdeckt, denn ein neues Feuer in sich entfacht. Die Songs sprechen von melancholischen Gedanken und gedrückter Stimmung, ganz in der Manier irgendwelcher Eigenbrötler wie den Two Gallants oder den Bright Eyes rund um Conor Oberst.

Die Rezensionen zum Album waren trotzdem, oder gerade deswegen durch die Bank voll des Lobes – der Solokünstler Bernhard Eder hatte sich im Bewusstsein der den sanften Pop-Rock liebenden Leute festgesetzt. Dass damit die Feuertaufe gelungen war, mag ja so stimmen, wirklich auf den Zahn gefühlt wird einem aber erst, wenn es an das zweite Album geht.

„Tales from the Eastside” heißt es und stellt sich an, den Erfolg Bernhard Eders zu bestätigen. War der Erstling dann noch diese Art Referenz, wie man sie sich als Musiker ja eigentlich wünscht, dann ist die Arbeit am nächsten Album – paradoxerweise – deutlich anspruchsvoller und will noch ein wenig mehr überlegt sein. Erfolg, der nicht vorhanden war, kann nicht wiederholt werden. Vorhandener Erfolg dagegen will umso mehr erneut bewiesen, wenn nicht – gesetzt den Fall, des sich immer weiter entwickeln wollenden Künstlers – übertroffen, getoppt und noch viel mehr ausgekostet werden. So will es das Publikum, so will es der Musiker.

Tja, Bernhard Eder musste also (und wollte wohl auch) zweite Variante wählen, die guten Kritiken für „The Livingroom Sessions” hatten ihm den Anspruch an sein zweites Album ganz klar vorgegeben.

Geworden ist es wieder eine Kollektion eingängig vorgetragener Songs zum Dahinschmachten, Nachdenken und Alleinsein. Die Stimme Bernhard Eders bewahrt sich wie schon im Vorgängeralbum ihre Klarheit, kommt deswegen aber keine Spur zu aufdringlich daher.

Die Tage in Berlin dürften mittlerweile auch ein wenig strahlender geworden sein, in manchen Songs ist ein Anflug von Heiterkeit zu erkennen. Vor allem „Polen #1″ und „Now’s the Time” tragen mit Harmonikaklängen bzw. einem taktvoll vorgetragenen In-die-Hände-Klatschen zu einer – insgesamt trotzdem nur dezent vorherrschenden – Fröhlichkeit bei.

Ansonsten hört man den Bernhard Eder wieder, den man mit „The Livingroom Sessions” kennen und zumeist auch schätzen gelernt hat. Sanft gestrichene Gitarren, Geigen,  die für ewig dauernde Nächte gespielt zu sein scheinen, und des Musikers Stimme selbst werden manchen wieder von der oberösterreichischen Seenlandschaft träumen lassen.

Von dort, wo Bernhard Eder auf seiner Gitarre spielt und schlichtweg singt. Sollte sich ein solches Konzert einmal ergeben, dann unbedingt hingehen, auf einen besseren Rahmen für seine Musik braucht man nicht mehr zu warten.

Gespannt warten kann man dann lediglich noch auf das nächste Album Bernhard Eders, eines, mit dem er „Tales from the Eastside” wieder übertreffen wird müssen…

http://www.myspace.com/bernhardeder

http://www.bernhardeder.net



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