Berlin Songs Vol. 3


(amSTARt/ VÖ: 22.12.2009)

Dezember 23rd, 2009 | 0 Kommentare ...  

Berlin Songs Vol. 3

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Koffer auf, Koffer zu’ – der Titel jenes so schön verschrobenen Stückes Musik, das einen bereits nach wenigen Minuten das erste Mal aufhorchen lässt, trifft das Konzept dieses Samplers schon ziemlich gut. Die Reihe ‘Berlin Songs’ beschränkt sich nämlich keineswegs auf hier ansässige Künstler des Indie-Folk/Americana – Segmentes, sondern erforscht in erster Linie deren internationalen Verbindungslinien. Das entspricht durchaus dem Selbstverständnis der Szene, schließlich wird diese auch in Berlin entscheidend von Musikern getragen, deren Muttersprache nun mal meist das Englische ist und die ihre (Gitarren)koffer durch die Straßen und auf die Bühnen ‘all around the world’ zu schleppen gewohnt sind.

Die sehr rührige Promotionagentur amSTARt hat in ihren Veranstaltungsreihen (u.a. den genialen Fourtrack on Stage – Konzerten) und vor allem beim diesjährigen Down by the River -Festival in der Bar 25 den meisten der hier vertretenen Künstler bereits ein Forum geboten. Zum Jahresausklang erscheint nun der dritte Teil, vertrieben über die hauseigene Website (www.berlinsongs.com), der nach 2005 und 2007 erneut einen anregenden Überblick zum ‘Nachhören’ bietet.

Der eingangs erwähnte Track stammt übrigens von Susi Asado und ist eine dieser herrlich skurrilen Lobgesänge auf die Leichtigkeit des Daseins. Hätte vielleicht Kurt Weill so heute den poppigen Swing für sich entdeckt? Wie würde dann wohl die Brecht’schen Drama klingen? Okay, das führt dann wohl doch zu weit…..

Überhaupt glänzen auf dieser Zusammenstellung vor allem die von weiblichen Stimmen getragenen Kompositionen. Die schnoddrige Melancholie von Christiane Rösinger (ein Vorgeschmack aus ihrem Anfang nächsten Jahres erscheinenden Album mit den European Rich Kids), die mittlerweile zur Gänsehauterzeugung gerade mal eine Lagerfeuer-Gitarre, ein gut gestimmtes Klavier und einen ebenso simplen wie anrührenden Text benötigt (‘ Ich muss immer an dich denken…’). Oder die mittlerweile in Berlin lebende Australierin Kat Frankie mit ihrem bekannt eigenwilligen, entrückten Songwriting, dass in Wonder fast zu einer Hommage an Grace Slick gerät.

Warum dann ausgerechnet ein derartige nerviges Stück der Marke ‘lustige Studenten bedienen einen Drumcomputer um lustige Musik für Studenten zu machen’ wie ‘New York, Rio, Tokio’ von Kid Ikarus diesen Fluss so krass stören muss, bleibt das Geheimnis von Jan Nikolaus Junker und Sebastian Hoffmann, den Verantwortlichen für diese – ansonsten sehr liebe- und geschmackvolle – Auswahl.

Dann doch lieber solch radiotauglichen Ohrwürmer wie die Beiträge von Falk und die Wiese (People), David Tattersall, Kopf des Londoner Trios The Wave Pictures, der Reggae-Rhythmen geschickt mit Folk-Songwriting verbindet, oder den beiden New Yorker Anti-Folk Veteranen Major Matt Mason ( hier zusammen mit Heiko Gabriel aka Horror Me) und Jeffrey Lewis.

Natürlich findet sich unter den 24 Stücken auch der ein oder andere Langweiler und sowieso pickt sich wohl jeder seine Favoriten selbst heraus.

Aber ‘Berlin Songs 3′ hat etwas, was Sampler sehr selten aufweisen können: Einen roten Faden (bis auf oben erwähnte Ausnahme), weswegen man sich dieses Album dann auch getrost komplett ohne Verwendung der Skip-Taste anhören kann, und definiert so ganz nebenbei eine ganz bestimmte Berliner Szene, die sich umfangreicher und nachhaltiger ausnimmt als mancher Partyhype.

http://www.berlinsongs.com
http://www.amstart.tv
http://www.myspace.com/amSTARt



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