Angelika Express – Goldener Trash


(VÖ 13.2.2009 / Peng / Cargo)

März 13th, 2009 | 3 Kommentare ...  

Angelika Express – Goldener Trash

Von

Durchschnittsmukke, Durchschnittsthemen, Durchschnittsjubel in der Durchschnittspresse zu einem nervigem Durchschnittscover. Sänger, Produzent und Gitarrist Robert Drakogiannakis Nervmusik hat einfach nicht das Format für Höheres. Das macht ihn so beliebt, weil von vorn bis hinten penetrant bis erbärmlich, und dadurch gut hineinpassend in die deutsche Poplandschaft.

Auf der Suche nach einer einzigen Zeile, Riff oder auch nur Moment entblößt sich der goldene Müll als ausschließlich spießig bis dämlich dünn, wirft mit schmerzhaft anstrengenden Floskeln um sich, kennt nur den Werbetrommel und Personalabteilungsleitersprech, ist oberflächig, dummreimig, unerheblich und selbstüberätzend seelenlos, im Grunde alles das, was guter Rock immer vernichtet, und musikalisch schwungvoll daherkommt. Hier aber kann weder von dem einen, noch dem musikalisch anderen Rede sein.

Da reicht schon ein kurzer Blick ins Info, wo Angelika Express “gegen jede Normierung bratzen” und sich mit “charmantem Witz und großspurigen Slogans generationsübergreifend als eine Art Toten Hosen des denkenden Mannes qualifizieren”. Zu solchen Bratz-Sätzen rollen sich natürlich gleich die Nägel hoch, weiß man nicht ob man nun Lachen oder qualifiziert verzweifeln soll, wie man über die Toten Hosen hin zu denkenden Männer einen Bezug zur Platte großspurig und generationsübergreifend konstruiert, und natürlich ist alles was man auf dieser CD hört größtmögliche Normierung, mit größtmöglichem Biederwitz getarnt.

Dann werden “aus einer punkigen Haltung heraus Abgründe des Alltags entwaffnend und ironisch besungen, dass der Identifikationsfaktor in die Höhe und Breite schnellt, hier wird Beschwerdekultur richtig gemacht, gröhlend aber subtil”. Ich denke, das lässt man unkommentiert für sich stehen bzw. weiß man, dass es all dies zusammen genau NICHT gibt!

Statt dessen ist Goldener Trash ein alter Salat, dessen Inhalt in den letzten Jahren, wenn nicht Dekaden zurückgeblieben ist. Von “Was wollt ihr alle (auf dem Dancefloor)?” – ach ja, Arctic Monkeys auf deutsch (an anderer Stelle klingen noch andere englische Bands bis hin zu Sex Pistols EMI 1 zu 1 durch), dazu aus dem Pressetext noch diesen Tip für die Tonne: “Was für eine Frage, die Sinne springen an und man selbst auf die Tanzfläche, aber das Gehirn bleibt eingeschaltet”  – über weitere textliche Entblößungen und schlechteren Reggaeanfällen bis zum letzten Lied “Ich schenke dir die Zeit” mit all seinen 4t-Klässlerischen Geschreibsel (Ich schenke dir die Zeit für Milchkaffee und Telefon usw., da kann man gleich Kinderlieder wie Ich packe meinen Koffer etc. vertonen), einfältiger Müll und vertane Zeit, die man sich eher dadurch schenkt, dass man sich diesen nulligen Popelpop spart, deren (“Miese Popmusik wird sterben”) Folter  nach 14 Stücken leerer als leer zurücklässt.

Dann soll es kein Promogag sein, dass die CD von 500 “Angelika Aktionären” á 50 Eur finanziert wurde (es schreiben nur alle darüber), die nach Abzug der Kosten zu 80% am Gewinn beteiligt werden. Aber den Aktionären geht es natürlich auch nicht um die 80%, sie wollen “an einem historisch wertvollen Projekt der Popmusik teilhaben” – heisst, man glaubt dass sich Schrott historisch gut verkauft und nebenbei steht man halt auch auf seinen eigenen Namen vorn im Booklet abgedruckt, das so rüberkommt wie ein Pranger des selbst eingebildeten Kulturmäzenantentum, so wie ärmliche Egos, denen ausdrücklich und überschwänglich gedankt wird.

http://www.myspace.com/angelikaexpress



Kommentare / Comments:

  1.  
    1. Moritz  

    Da hat jemand aber richtig beschissen geschlafen :-D

    Ich bin kein Aktionär, die CD finde ich aber trotzdem spitze – für mich ist sie bisher das beste, was man in diesem Jahr zu hören bekommen hat. Aber vielleicht erkennt mancher einfach nicht den Sinn der Texte und dann muss man natürlich draufhauen, auf die nicht vorhandene Dummheit und weinen, weil es noch so etwas wie Musik gibt. Is klar.

  2.  
    2. Gavin  

    Ich bin übrigens ein solcher "Aktionär", der weder Geschichte schreiben, noch die große Mark verdienen wollte. Meiner Meinung nach ist es einfach nur unterstützenswert, "kleine" Musik – abseits großer Labels – bei Mechanismen unter die Arme zu greifen, die nicht "WirsteckendiegroßeMarkinPRAktionenundwennsnichtsgibt: Arschlecken" heißt.

    Und die Arctic Monkeys höre ich nirgends raus. Schade.

  3.  
    3. Marc  

    Ein einziger Absatz der auf die Musik eingeht, fünf die einfach nur so motzen. Hört sich fast danach an, dass das Album überhaupt nicht gehört wurde. Höchstens mal kurz angespielt, aber nicht (intensiv) betrachtet.

    Auch wenn man was die Musik betrifft einer anderen Meinung als der Autor sein kann, so ist die Behauptung, dass die "Aktien" nur der Werbung dienen schlicht falsch. Ich hatte in der frühen Planungsphase das Glück, mit Angelika Express (damals nur aus Robert und Dani bestehend) darüber zu sprechen, und ich kann versichern die Motive der Finanzierung waren nicht PR, sondern einfach die Tatsache weitesgehend unabhängig von der Plattenindustrie zu sein. In zahlreichen Interviews mittlerweile auch nachzulesen. Dass die Aktiengeschichte so populär wurde ist zudem auch ein wenig ein Fluch, da mehr über die Finzierung als über die eigentlich Musik gesprochen wurde.