Amanda Blank – I Love You


VÖ 13.8.09 / Cooperative Music

August 14th, 2009 | 2 Kommentare ...  

Amanda Blank – I Love You

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Amanda Blank polarisierte schon im Vorfeld. Weniger durch ihre Musik, die zumeist nur Insidern bekannt war, als durch ihre Haltung, die sie in Interviews zum Erscheinen ihres Debütalbums „I Love You“ vertrat. Hier tritt eine selbstbewusste Frau auf, die ihre Toughness nicht hinter Mädchenhaftigkeit oder dezenter Femininität versteckt – und trotzdem sexy ist. Männer, die sonst nichts gegen eine bisschen Schlüpfrigkeit und ganz gewiss nichts gegen Sexyness haben, waren plötzlich peinlich berührt von (zum Teil) sexuell expliziten Texten. Das ging grade noch so durch bei den auch schon polarisierenden Yo! Majesty. Die sind schwarz und kommen aus dem Ghetto – Amanda Blank ist weiß und Mittelklasse, somit aus dem gleichen Milieu wie die meisten Musikkritiker und viele potentielle Fans. Da fehlt die Distanz, mit der man Rapperinnen wie Jwl.B noch ein wenig belächeln kann, die so ganz andere Umgangsformen hat und ein bisschen ungelenk und naiv wirkt im von weißen Mittelklassemännern bestimmten Haifischbecken der internationalen Musikindustrie. So ging – meist unter der Hand – ein Raunen: „Man muss ja nicht alles den Typen nachmachen. Mit expliziter Sexualität zu provozieren ist doch billig und sowieso schon lange out.“ Andererseits feierten vor allem weibliche, aber auch männliche RezensentInnen und Fans Blanks coolen, souveränen Feminismus, eine Musikerin, die „alles andere (sei) als die gutaussehende, sexy Marionette eines Produzententeams“ und die “die Männerwelt mit ihren eigenen Waffen in die Flucht schlägt”.

Aber was ist mit der Musik? Taugt die denn was? Ja! Zunächst fällt erstmal genau diese perfekte Arbeit des Produzententeams auf: Für ihr Debütalbum holte sie sich die befreundeten Big Names Diplo, Spank Rock und Dave Sitek an Bord. Das macht schon die halbe Miete – und nach Auffassung einiger Kritiker sogar mehr. Die Produktion ist toll: In bester Manier und akustischer Qualität prallen hier HipHop, Baille Funk, Electro, Disco, Neo Soul und eine Priese Punkrock aufeinander.

In den Texten, über deren Inhalte und Gestaltung Blank die alleinige Herrin ist, vertritt sie ebendiese Haltung, die sie auch in den Interviews vorlegt: mal singt, mal rappt sie schnörkellos und direkt, mit souveräner und frecher Gelassenheit über die Lebenswelt einer Mitzwanzigerin, in der Drogen, freie Sexualität, schwierige Beziehungen, Musik, Hedonismus und der Wille zur Selbstbehauptung – als Mensch und speziell als Frau – im Mittelpunkt stehen. Klingt „normal“, aber gibt es in dieser Form leider noch immer viel zu wenig. Vergleichbar sind in der deutschsprachigen Musik vielleicht Fiva oder Gustav, ohne die explizite Sexualität versteht sich, die in unserem Sprachraum allgemein weniger üblich ist. Und es ist gar nicht so, dass Blank wie unterstellt Sex billig in den Mittelpunkt stellt – sie nimmt nur kein Blatt vor den Mund. Und wenn eine Frau einen Mann umschmeichelt, weil sie Sex will, wie Blank es in dem Stück „Big Heavy“ tut, hat das nicht notwendiger Weise etwas mit Schwäche oder selbst auferlegtem Sexismus zu tun. Blank macht allzeit deutlich, dass sie Subjekt und Akteurin ist.

Blank fehlt der Exotinnenbonus von M.I.A. und Santigold, in deren Fahrwasser sie schwimmt, z. T. die selbe Szene, die gleichen Produzenten, die selben Grundideen, eine vergleichbare Haltung. Und sie ist nicht Vorreiterin, sondern passt mit ihrem Stil genau in den derzeitigen Zeitgeist – mit Referenzen an die Postpunk- / Postdiscoszene der frühen 80er. Blank stammt aus Philadelphia, einer eigentlich eher als hinterwäldlerisch verschrieenen Metropole im Osten der USA., Heimat des Philly-Sounds, einer süßlichen, oppulenten Disco-Variante von Mitte der 70er, aber auch von Neo-Soul und Rap in Gestalt von Erykah Badu, Talib Kweli, Common oder The Roots. Dort hat sich in den letzten Jahren die so genannte „New Philly“-Szene entwickelt, mit inzwischen international bekannten Protagonisten wie Diplo, Spank Rock und Santigold. In dieser Szene hat sich Blank in den letzten Jahren intensiv betätigt. Sie ist Musikenthusiasten durch diverse Kollaborationen mit oben genannten Musikern bekannt, weniger für ihre jahrelange Arbeit mit der Band Sweathearts, bei der sie ihr Handwerk lernte.

Dieser Hintergrund, und eine gehörige Portion Talent machen Blank Solodebüt zu einem soliden, sehr hörenswerten Werk, in dem sich Eigenes und geschickt gewählte Samples / Quasi-Cover wie LL Cool J’s „I Need Love“, Vanity 6′ „Make Up“ und Romeo Voids „Never Say Never“ nahtlos und abwechslungsreich ineinander verweben. Es ist sowohl für die Tanzfläche als auch als Gute-Laune-Musik für einen lauen Sommertag geeignet. Und es lohnt sich, die Texte genauer anzuhören und auch ein paar Interviews zu lesen.

www.myspace.com/amandablank



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