A Place To Bury Strangers – Exploding Head


(6.11.2009 / Mute / Rough Trade)

November 11th, 2009 | 0 Kommentare ...  

A Place To Bury Strangers – Exploding Head

Von

Es war mal wieder irgendein Journalist, der die New Yorker „zur lautesten Band, die man jemals hören wird” schrieb, und wahrscheinlich hat er sie nie live gesehen. Auch die ständigen, nervigen Vergleiche mit Joy Division, nur wenn ein Bass eine Oktave höher gespielt wird, sind hier fehl am Platze. Fakt ist, dass APTBS einen Ohren zerschneidenen Sound aufbringen, der auf eine Studioproduktion von Sound Engineer Andy Smith (David Bowie ua.) in Sänger/Gitarrist Oliver Ackermanns Firma Death By Audio Studios zurück blickt. Wenn man bedenkt, dass Death By Audio die Gitarrenpedals für Bands wie U2, TV On The Radio oder MY Bloody Valentine produziert, könnte man fast annehmen, dass APTBS eine Art Promoband für diese Effekte sind, welches dann aber doch etwas zu kurz greift. Klar, all die Fuzz Guns, Interstellar Overdrives und Harmonic Transformers kommen hier fett zur Geltung, dergestalt, dass APTBS zweites Album Exploding Head ein infernalisches Soundgewitter bereit hält, angerichtet um die Seele im innersten zu erschüttern. Dann aber finden manche Arrangement zu ausgesprochen hinreißenden Melodien und sinistren Obertönen, singt Ackermann stets leicht verspielt und dermaßen süßlich, als gelte es längst verschüttete Gefühle wiederzubeleben und das Blut um ein paar Grade zu erwärmen.

Interessant auch die zweiteilige Aufteilung des Albums, einem rasenden Anfang, Keep Slipping Away als Angelpunkt und der Wiedereintritt über apokalyptisches zu Ego Death bis fast fröhlich hüpfend schepperndes bei Smile when You Smile. Neben den pulsierenden Bässen, gnadenlosem Schlagzeug und infernalisch flirrenden Sounds sind es auch die Texte, die den Braten wie immer fett machen. Sehnsüchtiges, Depressives, Mitleiderregendes aus der Welt der Liebe wird da besungen, geht es um verlorene Gefühle (Lost Feeling), Unbegreifliches (Slipping Away) und Fatales (Everything Always Goes Wrong). Die ideale Ansprache für jeden Goth-, Dark-, Shoe-, Gaze-, Cure-, Suicide-, Bluescreen-, S/M-, Fetish- Adepten, doch nicht ausschließlich, weil eben nicht ausschließlich dahingehend gestutzt. Hinter den düsteren Vorgaben bearbeitet Exploding Head eine ganze Reihe an Genres, findet sich alles was bisher unter Shoegaze, Industrial, Krach, dunkler Post-Punk und (chemischer) Psychedelic Rock firmierte. Verglichen zu ihrem selbstbetitelten Erstling 2007 kommt Exploding Head wesentlich kompakter, breitspuriger und aus einem Guss, verglichen mit anderen zeitgemäßen Bands dieser Genres bügelt es alles weg, was sich ihnen in den Weg stellt. Exploding Head erschien auf Mute, dem Label für viele der besten Kracher unserer Zeit, und ja, diese Rezi schuf ich erst nachdem ich die Boxen der Anlage vor mir rechts und links auf den Schreibtisch postierte.

www.myspace.com/aplacetoburystrangers



Kommentare sind geschlossen.