39 Clocks – Pain It Dark (Re-Issue)


(VÖ:7.8.2009 / Edition Büro B)

August 8th, 2009 | 1 Kommentar ...  

39 Clocks – Pain It Dark (Re-Issue)

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Es ist gut heute noch mal die 39 Clocks zu hören. Damals, als die 1979 gegründete Band mit ihrem Erstling Pain It Dark (1981) herauskam, war sie die geheimnisvolle Inkarnation eines Low Reeds, ein bisschen wie deutsche Velvet Underground, nur mit einer Suicide-trifft-Young-Marble-Giants-mäßigen, dahin tuckernden Drumbox, was Diederich Diederichsen später zur “besten deutschen 80er Jahre Band” erregte. Schließlich spielten das Duo Christian Henjes (C.H.39) und Jürgen Gleue (J.G.39) den Psycho-Beat.

C.H. sang nicht, C.H. 39 nörgelte in Mikro, wenn die Stimme nicht gleich über irgendeine Echoschleife geschickt wurde, während die Ein-Riff-Gitarre ganz eindeutig nach Velvet resp. The Modern Lovers klang (nur mit weniger Schwung und ohne die den Amerikanern zugute tragenden Produktion). Selbst in den Hochtagen von Punk und New Wave war das zu elitär-gewagt, und so richtig warm wurden damit nur eine handvoll Neunmalkuge, Klassenstreber oder sonstige, unter braunen Drogen gesetzte Psychopathen wie weibliche Stilberater. Ihre Uhren gingen 12 Sunden vor und handelten von Kunst, passten Namen von Malern wie Kandinsky in den Text, besangen in Stupid Art irgend eine Schöner-Leben-Wohnung, bevor sie mit Test The Beat eines der wenigen, aber essentiell coolen Uptempo Stücke mit leicht psychedelisch eingetauchter Gitarre, im Beat aber grundsolide und vor allem mit echtem Schlagzeug eingespielten Tanzbrecher brachten. Das roch alles nach Underground wie Hannover Hauptbahnhof nach Pissrinne und grellem Neonlichtern, die die Sonnenbrillen auch nach Einbruch der Dunkelheit rechtfertigten.

Und als Gegenentwurf der gerade aufkommenden und zurecht verhassten “Neuen Deutschen Welle” (Nena, Ich will Spaß etc.) geriet ihr Sound zu einer provokanten, dunkel-kalten Einheit, der von frühen 60s-Ami-Garagenpunk und in die 80er zeitversetzten Störgeräusche inspiriert gerade recht war.

In den vom “deutschen Punkpabst” Alfred Hilsberg geschriebenen Linernotes erzählt Hilsberg, wie er die Clocks im kalten Dezember 1980 einmal zu seinem Zick-Zack Label-Abend in einem Münsteraner Kino überredete (ich wette die Staatsaktler hatten da noch nicht einmal a-a gemacht!), dort “weit nach Mitternacht” noch einen kurzen Auftritt zu spielen: “Es war eine Offenbarung, zwei schwankende, krächzende Gestalten, von denen sich eine kaum sehen ließ, weil sie mit dem Rücken zum Publikum hinter einem Boxenturm verharrte… Kaum 20 Minuten dauerte das Spektakel bis der Veranstalter sich dem lautstarken Verlangen von etwa 20 Anwesenden nicht mehr widersetzte und den Strom abdrehte.”

So richtig kamen die Clocks dennoch nie raus, sie wurden nicht die deutschen Velvets, und verschwanden irgendwann in der Versenkung der Erinnerung. Schlimmer noch: Ihre korrekte Einordnung erfuhr die Band eher in England, USA und Japan als Deutschlands spießig-kleingeistigem Hochglanzmüll.

Trotzdem wäre es interessant gewesen erfahren zu haben was aus den Clocks geworden wäre, hätte die Band mit irgendeinem Hit einen breiteren Erfolg gehabt. Dies hätte das Duo zwar einerseits bestimmt gestört, wenn nicht gesprengt, aber über die Zeit auch wieder zusammengebracht. Dann wäre die Zeit für eine wirklich wichtigere Produktion reif gewesen, eine, die bis heute vieles überstrahlt und hoffentlich auch vieles verhindert hätte.

Das Re-issue kommt mit einem bislang unveröffentlichten Bonustrack raren Fotos und einem Begleittext von Alfred Hilsberg.

www.bureau-b.com



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