1000 Robota – Mein Traum (Tapete Rec.)


September 11th, 2008 | 0 Kommentare ...  

1000 Robota – Mein Traum (Tapete Rec.)

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” Wenn das der einzige Weg ist, für deutsche Presseidioten über uns zu schreiben, weil sie sich drauf aufgeilen und sie die Musik nen Scheißdreck interessiert – bitte sehr =).“

Dies ist ein Auszug aus einer E-Mail von Anton Spielmann, Sänger von 1000Robota, der sich über das Heranziehen von ein paar Erfolgen auf der Insel in ihrer Presse mokiert. Dabei bieten 1000Robota überhaupt keine “dunklen Birthday Party floor filler”, wie Helena Gee sie im NME beschrieb, die zu einer Zeit, wie die Band 1000Robota, vielleicht nicht mal geboren war.

Vielmehr schrammt 1000Robotas erste Single “MeinTraum” erstmal hart Bush Tetras “Too Many Creeps” vorbei, und geht dann, wie fast alles von der Band, in eine schamlose Andy Gill Gitarre über, die jedoch überschäumend und krass wie stark hervorprescht. Für Plagiatpuristen dürfte dies zwar schon die Disqualifikation bedeuten, uns kommt dies aber gerade recht, wenn sie mit vollem Schwung und ein bischen internationaler Rückendeckung beginnen, den von kümmerlich und würzlos zahmen Konsensbands geprägten, belanglosen deutschen Popmarkt erobern.

Denn das sollte ihnen leicht fallen, auch wenn abgesehen von ihrer Sprache des täglichen Bedarfs, von den Jungen heute niemand so recht wissen dürfte, wo genau sie ihre Kicks herhaben. Hauptsache es stürmt, fetzt, peitscht und knallt. Das nämlich ist genau das, was die Hamburger bis Mannheimer bis Berliner Penne nie konnte, und was die Radioplaylisten ergebenen, jammernden Schlafpillen Produktionen vor lauter leiser Beziehungsklüngel nie drauf hatten.

Auf “Mein Traum” steigert sich Spielmanns in eine Spielwut, die zwischen den Zeilen nur vom Bass und Drums auf einen monotonen Boden gehalten werden. Der assoziativ löchrige Text könnte aber ebenso von einer Art Alptraum handeln, wo es sich unter anderem von “Angst … Geschichte zu erzählen, die für ihn und dich Geschichte war” dreht.

Noch am Anfang aber trumpft Spielmanns mit einem “Du Verliere, sag wer heut verliert, denn ich blöder Träumer, geh doch immer mit dir” auf, und nimmt sich damit entweder irgendein gefühltes Sozialterretorium vor , oder aber auch eine gefühlte Popwüste Deutschlands, die wir eben schon hatten, mit Ausnahme der Neu-Berliner Band MIT, die schon Anfang des Jahres ihr Debut raus hatten, und im Gesang wie 1000Robota auf Elektro klingen, und so für die um die 20 Klientel auch schon beachtliche Pionierarbeit geleistet haben.

Schließlich darf man, um mit sich selbst anzukommen, nicht nett lächeln, sondern muss eine gewisse Wut als Haltung ausdrücken. Am Besten erstmal so angepisst sein wie die Postpunks Ende 70 oder Angang 80. Und 1000Robota dürfen sehr angepisste, und gleichzeitig ihrer Sache sichere Typen sein, sonst würden sie ihre Träume nicht so gnadenlos offensichtlich plündern und gleichzeitig als das neue heisse Ding auf der MySpace Eingangsseite platziert sein.

Auf der B-Seite befindet sich dann der alte 80er Palais Schaumburg Hit “Wir bauen eine neue Stadt” mit dem Hinweis, dass dieser noch einmal neu aufgenommen wurde. Aha. 1000Robota brennen da Hamburg erst ab, und bauen sie dann wieder auf alt, eh neu auf. Da müssen Stimmungen auch nur oft genug wiederholt werden, um einer hoffentlich neuen, feurigen Szenegeneration frische Luft zuzufächeln. Ja da geben wir Euch ganz recht und dafür ist das alles mehr als nur gut genug.

1000Robota “Mein Traum”

Bush Tetras “Too Many Creeps”

http://www.myspace.com/1000robota



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