1000 Robota – Du Nicht Er Nicht Sie Nicht


Das überzeugendste, beste und stimmigste deutsche Release seit DAFs Die Kleinen und die Bösen.

September 26th, 2008 | 0 Kommentare ...  

1000 Robota – Du Nicht Er Nicht Sie Nicht

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Heute ist Feiertag, denn heute erscheint das 1000 Robota Debut Album Du Nicht Er Nicht Sie Nicht, ein kristallklarer Energieriegel, gehaltvoller Zitatkrach, stilistischer Feinstein und einziger, 26 minütiger, Anschlag auf das Establishment voller Konsenshörgewohnheitsgruppen, Medienseilschaften, und ihrer programmierten Lebensmüdigkeit.

Ihnen allen steht dieses Album entgegen, das bissig beißt und schneidend um sich schlägt, aufrüttelt zum “Schmeiß dein Ego weg!” und zum “Feier das was du liebst!” (Trocknet Eure Tränen) auffordert.

Ein Trio junger schnauzevoller 17Jähriger aus Hamburg räumen auf im Programm der Gemütlichkeiten, nehmen das Heft in die Hand und beziehen sich auf Stellen deutscher Musikkultur, die sie selbst nicht einmal kennen mögen. Sei es DAF oder Palais Schaumburg, Gang of Four oder gleich No Wave, man hört dieses dauernd raus. Als Verbeugung, als Zitat, als Hingabe, es ist völlig egal, wenn sie sie kennen, machen es nicht nur gut, sie machen es unerreicht gut.

Beginnend mit dem Titel Heute (zu ein paar Takten Marsch á la Stiff Little Fingers Johnny Was) tastet sich das Album zunächst heran, stellt aber in den Zeilen Heute darfst du lachen jene Sachen machen/ mach doch bitte mit/ Tanz doch bitte mit auch gleich klar, dass hier um keinen heißen Brei herum geredet wird. Robotas Texte sind die Geschichten vor der Geschichte,  und einem Rhythmus als Punkt.

Trocknet Eure Tränen bestellt gleich mal eine moderne Post-Anschlagserie an scharfkantigen Riffs und Tonsalven, bevor es mit Oh Oh zum Tanzpanzer kommt: “Oh Oh sagen Tocotronic / was soll man noch für Lieder schreiben / doch das war lange / das geht weiter / beschweren kann man sich immer noch”. Gab es ein Warten, hat es hier ein Ende.

Mein Traum setzt nach zwei weiteren, einem aus der Hüfte geschossenen Tank of Danzig-Style Track Moral, und 1234567 (Mitten in ihr Herz) — den Nächsten drauf. Sänger/Gitarrist Spielmanns Stakkato brüllt Keiner traut sich mehr / nur ich blöder Träumer / träum noch viel zu sehr. Ja, wer tut dies heute nicht, und um so Textzeilen wie Ich habe Angst /meinen Kindern von Geschichte zu erzählen /die für mich Geschichte war, werden noch einige ihre Köpfe zerbrechen.

Oder in Diese Brille, deren offene Akkorde und bedrohlicher Bass schon die Klapsmühle hinterm Glas auspackt, und die direkte Malaria! Anspielung Kaltes klares Wasser per 4-Zeiler auch noch in eine Art Kloschüssel Sadismus versenkt.

Mit “48 Stunden” liefert die Band quasi noch ein direktes Joy Divison resp. Warsaw Intro, um es aber in Brüchen gekonnt in Brüchen aufzulösen, bis es im Refrain zu einem Mitsinghauer mutiert zu Ich schau mich einmal um/ der Bus ist leer, ist wie es ist, nicht mehr, nicht weniger.

Erst in Ich Blicke An Dir Vorbei schalten sie einen Gang herunter. Als wäre vorher alles nur Traum, weichen die großen Momente den üblichen Verhältnissen. Zurück bleibt das beste und stimmigste deutsche Release seit DAFs Die Kleinen und die Bösen und neben Mit’s Coda die wichtigste Veröffentlichung des Jahres 2008.

http://www.myspace.com/1000robota



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